8. Von den armen Seelen

4. Ansagen und Vorzeichen

127. Beim Totengräber Wohlgemut in Atzbach meldete sich immer ein naher Todesfall einige Tage vorher an, indem das Werkzeug in der Zeughütte zu poltern begann. Seine Kinder erzählten es in der Schule und jedesmal traf es auch ein.

Als die alte Kreimlin in Atzbach starb, läutete im Vorhaus die Hausglocke und als der Schmied Gruber am anderen Tage ansagen kam, ebenfalls.

128. Der Lexen Hansl, ein Zimmermann in Lichtenberg, zimmerte für die ganze Umgebung die Totentruhen. Kamen die Leute um die schwarze Truhe, so hatte er sie meistens schon fertig. Jedesmal, wenn ein Todesfall bevorstand, klirrte in der Werkzeugkammer alles Gerät.

Ähnlich pflegte der Moar Michel in Lichtenberg die Grabkreuze im voraus fertig zu machen und unter der Zimmerdecke auf Balken zu legen. Starb jemand, so drehte sich das Kreuz um.

*129. In Innereden lebte bis gegen 1815 die alte Reschin; weil sie ein Neusonntagkind war, sah und hörte sie allerlei, was andere Menschen nicht wahrnahmen. Beim Prötermann sah sie den Tod beim Fenster einsteigen und sagte voraus, daß der Bauer bald sterben werde, was auch erfolgte. Beim Weberleopolden wieder sah sie ein totes Kind in der Lache ertrinken werde. Trotz aller Vorsicht geschah es bald darauf. Überhaupt wußte sie es voraus, wenn jemand in der Umgegend starb. Sie sah einen Sarg in das Haus tragen oder einen Leichenzug ziehen, hörte für die armen Seelen beten u. dgl. Auch Unglücksfälle sagte sie mit Bestimmtheit voraus, ebenso ganz genau ihren eigenen Tod.

130. Daß ein Sterbender seinen entfernten Lieben durch irgend ein Zeichen sein Hinscheiden bekannt gibt, ist ein verbreiteter Volksglaube, es ist das Anmelden.

So wurde eine Bäuerin um halb 3 Uhr morgens plötzlich durch ein Geräusch geweckt, als ob Wagenketten mit großem Lärm aneinandergeworfen würden. Am anderen Morgen kam die Nachricht, daß ihre beste Freundin zur selben Stunde verschieden sei.

Zwei Kinder saßen nachmittags bei ihren Aufgaben. Plötzlich fiel das Madonnenbild mit großem Gepolter von der Wand herab. Der Onkel, der zur selben Zeit starb, zeigte sich dadurch an.

Eine Arbeitsfrau kam abends von der Arbeit heim. Plötzlich sah sie an der Türe ihren Sohn, der als Soldat im Felde stand. Er trug den einen Arm in der Binde und winkte mit der anderen Hand. Als die Mutter auf ihn zustürzte, war die Erscheinung verschwunden. Am nächsten Tage kam ein Telegramm, daß der Sohn zur selben Zeit in einem Feldspital gestorben war.

131. Einer Frau starben von ihren 15 Kindern vier rasch nacheinander weg. Wie die Frau zum Sterben kam, ging die Tür der Tube viermal auf, ohne daß jemand sie öffnete, und jedesmal lächelte dabei die Sterbende freudig. Alle Anwesenden meinten, es seien ihr der Reihe nach die vier verstorbenen Kinder erschienen.

132. Der Böhuberin ihre Mutter, die Winterin z’Lebertsham bei Schwanenstadt, war schwerkrank. Die Tochter war bei ihr, die Kranke sagte, sie solle heimgehen kochen, ihr sei besser. Wie sie nun in der Böhub beim Essen saßen, ging die Tür langsam auf und wieder zu. Vergeblich ging der Roßknecht nachschauen, auch der scharfe Hund meldete nichts. Kaum aber saßen sie wieder bei Tisch, geschah dasselbe. Jetzt ging der zweite Knecht mit, Umschau halten. Weil sie nichts fanden, sperrten sie alles ab, trotzdem aber ging die Tür zum drittenmal auf, wie sie aber vom Beten fertig waren, läutete es, draußen stand der Winterknecht und meldete, daß die Mutter gestorben sei.

133. Eine alte Bäuerin in Naarn lag 1922 schwer krank. In der Nacht hörten es die Hausleute am Dache furchtbar umgehen und poltern. Am nächsten Tage starb die Bäuerin.

*134. Wer sich in einer Rauhnacht um die zwölfte Stunde zwischen die Gräber legt, an dem gehen die vorbei, die im neuen Jahre sterben müssen. Dies wollte ein Mann erproben. Er sah viele Bekannte vorbeigehen, aber sich selbst auch. Darüber erschrak er so, daß er bald darauf starb.

135. Burschen aus Kassendorf gingen nachts hinüber zum Auhofer. Durch das Fenster der Dirne sahen sie einen Toten liegen, hörten auch wie beim Nachtwachen beten, eine Leiche wurde aus dem Hause getragen. Es war ein Anzeichen. Die Burschen überkam solche Angst, daß sie davon liefen. Nach einigen Tagen starb die Magd beim Auhofer, ein paar Tage darauf die beim Kriechbauern und so ging es fort, die Pest war in die Königswiesener Gegend gekommen.

*136. Schiffer und Leute, die an der Traun wohnen, haben in früheren Zeiten manchmal um Mitternacht ein schwarzes Schiff leise traunab fahren gesehen. Weder Ruderer noch Schifferknecht sah man darauf, Geister lenkten es. Sooft sich die Erscheinung zeigte, ertrank jemand aus der Nähe in der Traun. Rief man das Schiff an, so war es verschwunden.

137. Im Kronwald bei Pfandl geistert es. Einmal sah eine junge Frau ein weißes Mandl mit bloßen Füßen, weißem Bart und langem Haar. Dieses war ein schlimmes Vorbedeuten und richtig starben im selben Jahr im Eckbauernhaus vier Personen an den schwarzen Blattern.

138. In einem Haus der Johannisgasse in Wels hörte man öfter Hammerlklopfen, dann starb stets bald darauf ein alter Welser Bürger.

139. Auf Schloß Weinberg im Mühlviertel geistert es in einem Zimmer. Die „schwarze Frau“ zeigt jedesmal den Tod eines Mitgliedes der Familie Thürheim, die das Schloß besitzt, an. Nach einer anderen Überlieferung ist es der erste Besitzer des Schlosses, der sich als Unglücksbote zwischen elf und zwölf Uhr nachts in dem Geisterzimmer zeigt.

140. Sobald in der Böhub, einem Bauernhaus hinter Schwanenstadt, eins zum Sterben war, meldete es sich an. Der Bruder des Bauern ging gerne nach Attnang hinüber spielen. Einmal kam er in einer Winternacht auf dem Heimweg gegen ein Uhr durch den Lametshamer Hohlweg. In einem Gebüsch hörte er weinen, konnte aber trotz des hellen Mondscheins niemanden sehen. Und als er mit Leuten am hellen Tag zurückkehrte, war keinerlei Spur zu sehen. Acht Tage darauf ging er bei tiefem Schnee wieder nach Attnang. An der Stelle, wo er das Kind hatte weinen hören, konnte er nicht weiter und erfror.

141. Ein Roßknecht in der Böhub bei Schwanenstadt, der nachts öfter aufstand, sah dabei einmal, wie einer mit einer Totentruhe und einem Kreuz „fürging“ und beim Roßstall verschwand. Am dritten Tage wurde der Knecht von Rossen erschlagen.

142. Eine schöne, reiche Bauerntochter in Trattenbach wollte um Mitternacht ihren Zukünftigen sehen. Auf den Rat einer alten Frau nahm sie von der Thomasnacht bis zum heiligen Abend kein Weihwasser und betete nicht in der Mette. Während der Wandlung sollte sie dann den vorbestimmten Bräutigam sehen. Wie es zur Wandlung läutete, blickte sie auf, mußte aber etwas Schreckliches gesehen haben, denn mit einem Aufschrei stürzte sie tot zusammen. Ein anderes Mädchen kehrte um Mitternacht nackt die Stube aus, weil sich dann der ihr bestimmte Bräutigam zeigt. Als sie mit dem Auskehren fertig war, ging der Bauer am Fenster vorbei und grüßte herein. Vor Schreck und Scham stürzte sie in ihre Kammer. Der Bauer wußte aber von all dem nichts. Bald darauf starb die Bäuerin und der Bauer nahm die schöne Dirne zur Frau.

143. Wenn ein Mädchen in der Mettennacht den Kamm, mit dem sie sich die Haare macht, auf einen Sessel legt, hinausgeht und zum Fenster hineinschaut, sieht sie ihren Zukünftigen auf dem Stuhle sitzen. Dies erprobte einmal eine Dirne beim Maier in Au. Als sie beim Fenster hineinsah, saß ihr Dienstherr, der „Mair zu Au“ auf dem Sessel. Als sie ihn am nächsten Morgen erstaunt fragte, wußte er von nichts. Nach einiger Zeit wurde aber die Dirne wirklich die Mairin.

*144. Ein Bauer in Waldzell wusch sich, nachdem er sich zuvor neun Tage nicht gewaschen hatte, das Gesicht im Katzenbachl. Da erschien ihm seine Zukünftige und reichte ihm das Handtuch.

145. Bergleute arbeiteten im Ischler Salzberg und sahen ein blaues Licht. Zugleich wurde eine Stimme vernehmbar: „Schicht aus!“ Die Bergleute meinten sich getäuscht zu haben. Als aber das Flämmchen zum zweitenmal vom Schurf her erschien und derselbe Ruf ertönte, verließen sie den Schacht. Kaum war der Letzte auf der Treppe, brach der Schacht ein.

146. Auf dem Teufelsturm, über dem wilden Donaustruden, zeigte sich der schwarze Mönch – drohend dem Bischof, ihm allein sichtbar. In Persenbeug wurde Rast gehalten. Der Fußboden des Zimmers, in dem der Bischof wohnte, stürzte ein, dabei verunglückte der Bischof tödlich.

*147. Nach einer anderen Überlieferung erschien dem Kaiser bei der Vorbeifahrt an der Stelle eine schwarze Gestalt, es wurde hierauf auf dem Felsen der Turm gebaut.

*148. Zur Zeit der Kreuzzüge kam ein mit Kriegsvolk besetztes Schiff vorbei, der gespenstische Mönch zeigte sich, das Schiff zerschellte gleich darauf an den Klippen, nur ein einziger Mann konnte sich retten.

*149. Später einmal schlug das Gespenst mit einer Rute in die Luft hinein, ein furchtbares Hagelwetter verwüstete darauf die Gegend.

*150. Kurz bevor die Türken das erstemal Wien belagerten, zeigte sich auf dem Teufelsturm im Struden wiederholt der schwarze Mönch, mit einem großen Zweihänderschwert führte er wuchtige Hiebe durch die Luft. Bald darauf kamen die feindlichen Streifscharen weit herauf die Donau entlang.

*151. 1530 wurde der Turm abgebrochen und die Steine zu Schanzen gegen die Türken verwendet. Die Stelle blieb aber bis in das 19. Jahrhundert im Volk verrufen.

*152. Auch vom Rabenstein auf der Insel Wörth heißt es, daß sich dort der graue Mönch zeigte und Verderben ankündete.

153. Kaiser Maximilian fuhr einmal die Donau stromab nach Wien und landete unterwegs bei der Burg Werfenstein. Abends wurde ein Festmahl gegeben. Plötzlich öffnete sich die Tür und nur dem Kaiser allein sichtbar erschien ein grauer Mönch und winkte ihm zu folgen. Der Kaiser tat es, kaum aber war er draußen, ertönte drinnen ein Krachen und dann ein Jammergeschrei. Die Saaldecke war eingestürzt. Der Kaiser aber war gerettet.

154. Nach einer anderen Erzählung erschien dem Kaiser der Mönch warnend auf hohem Felsen, die Begleiter bewogen deshalb den Kaiser, die Fahrt zu unterbrechen. Er begab sich auf die Greinburg, dort rettete ihn der Mönch vor dem Deckeneinsturz, indem er ihn zum Saal hinausführte.

155. Wieder eine andere Fassung erzählt die Geschichte von Kaiser Barbarossa, der auf seinem Zuge ins heilige Land in Werfenstein rastete. Der gespensterhafte Mönch veranlaßte den Kaiser, die Burg zu verlassen und sich zu seinem Heere zu begeben, das auf der Insel Wörth rastete. Währenddessen stürzte die Decke des Zimmers ein, in dem der Kaiser geschlafen hatte.

*156. Die Tochter des mächtigen Grafen von Wolfsegg liebte einen armen Burschen, der grausame Vater ließ sie deshalb heimlich einmauern, erklärte sie für gestorben und ließ einen mit Steinen gefüllten Sarg zur Gruft bestatten. Der Gram tötete den Burschen und zur selben Zeit starb das Mädchen im Kerker. Zu späte Reue raffte den Vater dahin. Der Geist des Burgfräuleins aber erscheint als Vorbote eines Unglücksfalles. Studenten, die im Ort übernachteten, sahen in den Fenstern des Schloßsaales ein ungewöhnliches Licht, am nächsten Tage schlug der Blitz in den Saal ein.

*157. Die Bewohner eines Innviertler Ortes glaubten schon zweimal, das Nachbardorf stehe in Flammen und eilten, um löschen zu helfen. Bald darauf brannte dort wirklich ein Haus ab, wobei das ganze Dorf in Gefahr kam. In kurzer Frist folgte ein zweiter Brand.

158. Der große Brand von Ischl wurde durch eine merkwürdige Erscheinung angekündigt. Bei einer Bürgersfrau, die ein Geschäft nächst der Brücke hatte, erschien ein kleines Mandl mit blitzblauen Augen und weißem Haar, das bis auf die Schultern reichte. Es war altertümlich gekleidet und hatte einen großen, breitkrempigen Hut auf. Das Mandl legte ein Geldstück auf den Verkaufstisch und sagte: „Das ist mein Bruder eurem Großvater schuldig geblieben,“ dann lief es zur Türe hinaus. Die Frau eilte ihm nach, weil sie das Geld nicht nehmen wollte, das Mandl war verschwunden. Ähnliches wiederfuhr der Wirtin in der Rettenbachmühle. Die Leute glauben, daß das Mandl den Brand angemeldet hat.

159. In kriegerischer Zeit saß der Burgherr von Ruttenstein abends allein beim Kamin. Die Türe ging auf, ein fremder Jüngling überbrachte einen Brief und entfernte sich sogleich wieder, ohne ein Wort zu sagen. Der Burgherr wollte ihm nacheilen, allein die Türe ließ sich erst nach einer Weile wieder öffnen. Vom Burschen war keine Spur und niemand in der ganzen Burg, auch nicht der Torwächter, hatte ihn gesehen. Der Burgherr meinte, ihm habe geträumt, doch am Tisch lag der Brief, darin stand, die Burg werde bald Feinde sehen. Wirklich kam nach einigen Wochen eine feindliche Schar. Sie wurde aber leicht abgewiesen, weil die Besatzung auf die Warnung hin auf der Hut war.

160. Schloß Weinberg wurde stark belagert. Im Besitze des Schlosses befand sich ein altes Glas. Ein Greis sagte, wenn das Glas zerbreche, werde die Festung fallen. Das Glas wurde ängstlich behütet, einmal fiel es aber doch zu Boden und zerbrach. in der nächsten Stunde zogen die Feinde als Sieger in die Burg ein.