Der Spitzname Karpfentränker

Nicht von der Stadt Linz, sondern vom Dorf Urfahr existiert die erste überlieferte realistische Ansicht (um 1512).
Nicht von der Stadt Linz, sondern vom Dorf Urfahr existiert die erste überlieferte realistische Ansicht. Die Szene aus der Zeit um 1512 verdeutlicht die Verbindung zwischen Brücke und Nikolaikapelle. Am unteren Rand ragt das Dach des Schlosses ins Bild und verdeckt einen Großteil der Brücke. Im Hintergrund die Mühlviertler Berge. Ausschnitt aus einer Federzeichnung des Wolf Huber im Nationalmuseum Budapest. Bildquelle: Nordico – Museum der Stadt Linz

 Autorin: Elisabeth Schiffkorn


Darüber, wie die LinzerInnen zu dem heute nicht mehr gebräuchlichen Spitznamen kamen, ist folgende Sage erhalten (Hans Commenda):

“Wenn es an der Tafel besonders hoch hergehen sollte, dann ließen die Linzer Stadtväter aus den großen böhmischen Teichen Prachtstücke von Karpfen
kommen. So wurden 1521 acht Fass Fische zur Hochzeit Ferdinands von Spanien mit Anna von Ungarn von Südböhmen nach Linz transportiert.
Um diesen Fischen den unangenehmen Beigeschmack des Lettelns zu nehmen, setzte man sie eine Zeit lang im geräumigen, an der Schiffmühle hängenden Kalter der Stadt in der Donau ein.
Als nun Kaiser Leopold I. um 1700 wieder einmal in seiner allzeit getreuen Stadt Linz weilte, ließ der hohe Rat auserlesene Karpfen aus Böhmen kommen und im
Fischkalter einsetzen. Unglücklicherweise lösten sich am Holzbehälter einige Bretter, sodass alle Fische in die Donau entkommen konnten. Dem Kaiser gegenüber entschuldigten sich die verlegenen Ratsherren, sie hätten Seine Majestät mit den besten Fischen bedienen wollen, aber leider seien die über Nacht ertrunken.”
Vor der Stromregulierung in der Mitte des 19. Jahrhunderts war der Fischreichtum in der Donau groß, die sich in verzweigten Auarmen um Linz ausdehnte. Im
Mittelalter gehörten daher Karpfen und Hechte zu den Alltagsspeisen der Linzer. Die Fischer in der Heilhamer Au und in der Zizlau versorgten die Märkte.
Welche Bedeutung dieser Wirtschaftszweig hatte, darüber schreibt Hans Commenda in seiner "Linzer Stadtvolkskunde": "Die Stadtverwaltung unterhielt eine eigene Fischwaage, besoldete ihre eigenen Fischwäger, verfügte über ein großes Fischfloß als Fischbehälter. Die einzelnen Linzer Freihäuser hatten ihre ‚Einsetz‘, das Landhaus im Zwinger westlich des Promenadentores einen gewaltigen ‚Fischkalter‘.
Die Fische waren als Nahrungsmittel für die Linzer von größter Wichtigkeit. Vor und nach der Reformationszeit fastete man nämlich an allen Freitagen und Samstagen des Jahres, ferner durch die gesamte Adventzeit, volle 40 Tage vor Ostern und an allen Quatembertagen. Bei so reichlicher Auswahl an Fischen und bei so vielen Gelegenheiten ihres Genusses ist es denn kein Wunder, dass die Linzer als Meister im Zubereiten von Fischen galten und sogar im ‚Almanadi des gourmands, Paris 1805‘ rühmlich erwähnt werden: ‚Die Umgebung von Linz in Oberösterreich liefert 66 verschiedene Fischarten, ungeachtet den Hausen, den man als den Kaiser der Donaufische ansieht und der wirklich ausgezeichnet ist. Ein Feinschmecker für Fische könnte in keinem Land der Erde eine solche erstaunliche Vielfalt antreffen.‘ Die große Bedeutung, welche dem Gewerbe der Fischer in Linz zukam, geht daraus hervor, daß es in Urfahr eine eigene Fischergasse und im Gasthof ‘Zum Schwarzen Rössel’ ein eigenes Fischerstübl gab."
Fische waren in Linz so geschätzt, dass sie sogar als Zahlung gegeben wurden. 1699 gebührte nach altem Herkommen dem Bürgermeister sowohl wie dem Fischwäger von jeder gewogenen Karpfenfuhr je ein großer Karpfen als "Verehrung". Hohen Würdenträgern wie Beamten wurden ebenfalls Fische als Ehrengaben überreicht. Die Sage über die Entstehung der Bezeichnung
"Karpfentränker" erinnert daran.

Aus dem Buch "Linzer Sagen und Geschichten. Das Oberösterreichische Sagenbuch", Band 1 von Schiffkorn, Elisabeth. (Kap. 1, S. 17–19)

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