Wie Lichtenhag entstand

Burg Lichtenhag in Gramastetten (Oberösterreich) auf einem Stich von G. M. Vischer 1674.
Burg Lichtenhag in Gramastetten (Oberösterreich) auf einem Stich von G. M. Vischer 1674.

Autor: Konsulent Hugo Gielge


Ein mit vielen Nachkommen gesegnetes, stolzes Adelsgeschlecht saß einst auf ihren Burgen in fremden, fernen Ländern. Die Besitzungen waren bereits an alle Kinder bis auf die zwei jüngsten Söhne aufgeteilt. Von Abenteuer- und Wanderlust beseelt, bestiegen diese einstens ihre Pferde, nahmen Abschied und zogen schwer bewaffnet hoch zu Roß als freie Ritter in die Welt hinaus, um sich einen schönen und günstigen Platz für den Bau einer Burg zu suchen. 
So zogen sie durch ferne Länder, bis sie nach vielen Abenteuern, Kämpfen mit wilden Tieren und Räubern, müde und abgespannt zu einer, von großen Wäldern umgebenen und auf einem Hügel gelegenen, kleinen Siedlung kamen. Unter einer Schlucht sprudelte ein kleiner Fluß, der dieser bildschönen Landschaft mit ihren Tälern und Höhen einen besonderen Reiz verlieh. Als sie sich der Siedlung näherten, wurde es in dieser Siedlung unruhig. Ein Teil der Bewohner, wie Frauen, Kinder und Greise verkrochen sich, während sich die wehrfähigen Männer mit ihren Waffen und einigen bissigen Hunden zusammentaten, um sich, wenn nötig, zu verteidigen. 
Die Erfahrungen dieser bescheidenen Menschen lehrten sie, bald genug beim Herannahen umherziehenden Gesindels, welches meistens Böses im Schilde trug, oder bei wilden Tieren, eine Abwehrstellung einzunehmen. In Rufweite blieben die Ritter stehen, um die Bewohner nicht zu beunruhigen.

Die Männer erkannten bald auf Grund ihres Benehmens, sowie ihrer schönen, glänzenden Rüstungen, dass die beiden nichts Schlechtes vorhaben konnten und riefen sie näher. Aus nächster Nähe verlangten die beiden Ritter, den Dorfältesten zu sprechen. Dieser trat den beiden vorsichtig näher, nannte sich Grimhard mit Namen und fragte nach deren Begehren, Herkunft und Abstammung.
Die beiden Wanderer erklärten vorerst, dass sie nicht im geringsten böse Absichten haben und dass sie ihnen vertrauen könnten und ersuchten um Herberger.
Nachdem der Dorfälteste, sowie auch die anderen Männer nach längerer Debatte feststellen konnten, daß sie es mit ordentlichen Leuten zu tun hatten, luden sie die beiden gastfreundlich ein, in ihre Siedlung zu kommen. Nun wurde es in dieser lebendig. Alle, die sich verkrochen hatten, kamen mit neugierigen, jedoch scheuen Blicken, aus ihren Verstecken und musterten die fremden Ankömmlinge von allen Seiten und bewunderten ihre schönen, glänzenden Rüstungen. 
Vertraulich schilderten ihnen die Siedler, was sie im Laufe der Zeit durch herumstreifendes Gesindel mitzumachen hatten, und gar mancher Mitbruder wurde durch solches ermordet und ausgeplündert. Auch Frauen und Kinder waren verschleppt worden, bis sie endlich durch hohes Lösegeld wieder frei kamen. Weil sie sich einmal solchem zweifelhaften Gesindel zur Wehr setzten, ging als Rache bei Nacht ihre Siedlung in Flammen auf, wobei sie bereits ihr ganzes Hab und Gut verloren.

Dann erzählten sie von wilden Tieren, die in ihre Siedlung einbrachen und manche Kuh und Ziege zerrissen und verschleppten. Immerzu hatten sie schwere Kämpfe mit Bären und Wölfen, wozu ihnen zwar einige bissige Köter zur Verfügung standen, doch waren diese auch oft zu schwach und gingen dabei verloren.
Nun machte der Dorfälteste die beiden vornehmen Besucher auf eine seit vielen Wochen all abendlich wahrgenommenen Lichterscheinung am gegenüberliegenden Hag aufmerksam, worauf die Fremden, die niemals Furcht kannten, sich hierfür besonders interessierten. Die beiden Ritter erkannten aus den Zügen dieser abgearteten Menschen, aus denen Sorge und Kummer blickte, dass das Geschilderte wohl der Wahrheit entspreche und ersuchten den Dorfältesten, er wolle sie heute noch an einen Platz führen, wo man diese Lichterscheinung beobachten könne.
Gleich am nächsten Tag machten sich die beiden auf den Weg, um die Gegend, in der sie am Vortage das Licht sahen, zu untersuchen. Dort angekommen, gewahrten sie einen wunderschönen Ausblick in die ganze Umgebung, insbesonders in das romantische Flusstal, das unmittelbar tief unterhalb dieses hohen, gewaltigen Felsens lag. Das märchenhaft Rauschen des tief unten in der Klam fließenden, kleinen Flusses, der such zauberhaft durch das gewundene Tal schlängelt, begeisterte sie derart, dass sie sich entschlossen, auf diesem Felsen, das war die Stelle, wo seit langem, wenn es dunkel wurde, das Licht am Hag erschien, ein Schloss zu bauen. 
Mit Freude vernehmen die neugierig umstehenden Dorfbewohner die Rückkehrenden und nehmen den Entschluß begeistert auf. Sie stellten sich unter den Schutz der beiden Ritter und versprachen, dafür untentgeltlich Rabat zu leisten, damit die Burg bald fertig werde.
So entstand damals unweit von Grimhardstätten die Burg mit dem Namen „Lichtenhag“ (Licht im Hag).
Nun wirft seit hunderten von Jahren statt das Licht im Hag die Burg Lichtenhag ihr Licht auf die umliegenden Höhen und Täler.

Aus der Gielge Chronik

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